Wollen Sie helfen?

» 5. Okt. 2013: Demonstration gegen die Tötung von Straßenhunden in Rumänien

IMG 2534

Ein weiteres Mal rief die Bürgerinitiative „Aktion Fair Play“ zu einer Demonstration für Straßentiere auf, an der wir uns beteiligten. Auch diesmal war der Anlass zutiefst traurig und bestürzend:

Am 2. September 2013 wurde in Bukarest ein vierjähriger Junge tot aufgefunden. Das Kind starb nach offiziellen Angaben durch Biss-Verletzungen, die ihm von Straßenhunden zugefügt worden waren.

 

Die Reaktion auf diesen tragischen Unfall war fürchterlich: Ein 2012 vom rumänischen Verfassungsgericht erlassenes Gesetz, das die Euthanasie gesunder Tiere verbot, wurde vom Parlament und am 25.09. 2013 vom Verfassungsgericht wieder aufgehoben und noch am selben Tag vom rumänischen Präsident unterschrieben. Seitdem ist es gestattet,  jeden Hund nach einer  Aufbewahrungsfrist von 14 Tagen in einem Tierheim zu töten.

 

Aufgeputscht durch Medien kam es nach Berichten von Tierschützern vor Ort zu äußerst brutalen Übergriffen aus der Bevölkerung auf streunende Hunde. Ein unfassbarer Höhepunkt der Medienkampagne war der Aufruf des TV-Moderators Radu Banciu, tätig bei bei Kanal „b1tv“, die Hunde lebendig zu häuten und sein Angebot jedem Bürger dafür 250 Leu (60 EUR) zu zahlen. Weiterhin wurde berichtet, dass Veterinäre in Tierheimen Hunde mit tierschutzwidrigen, qualvollen Methoden, wie z.B. mit Frostschutzmitteln, töten.

 

Obwohl es in der Vergangenheit bereits Massentötungen gab – 2004-2007 wurden 10 Mio. Straßenhunde getötet  -, leben in allen rumänischen Städten große Streunerpopulationen. Allein in Bukarest wird die Zahl der Straßenhunde auf 40.000 bis 65.000 geschätzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie namhafte, mit der Streunerproblematik befasste Tierschutzorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass nicht groß angelegte Tötungsaktionen, sondern Neuter & Release Programme (kastrieren und wieder aussetzen) sowie Adoptionen zur nachhaltigen  Dezimierung der Population führen. Einige rumänische Städte, in denen Stadtverwaltungen und seriöse Tierschutzorganisationen zusammengearbeitet und derartige Programme konsequent umgesetzt haben, konnten die Zahl der Straßenhunde sehr erfolgreich reduzieren. Leider sind diese guten Beispiele bisher Einzelfälle. Trotz der seit Jahrzehnten bestehenden Problematik wurden in Rumänien keine systematischen Kastrationsprogramme durchgeführt, EU-Gelder, die zu dem Land zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden, wurden oftmals nicht entsprechend eingesetzt.

 

Die große Zahl streunender Hunde in vielen Städten weltweit ist ein von Menschen verursachtes Problem, das die Tieren zu einem gefährlichen und entbehrungsreichen Leben auf der Straße zwingt und sie deshalb manchmal zur Gefahr für Menschen werden lässt. Gewalt und Mord sind keine Lösung weder unter ethischen Gesichtspunkten noch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Die Schaffung eines verbindlichen europäischen Tierschutzrechtes, Kastrationsprogramme und das Übernehmen von Verantwortung für diese Tiere sind dagegen wichtige und sinnvolle Schritte auf dem Weg zu einem friedlichen Zusammenleben von Menschen und Tieren.

 

 

 {gallery}galerie/2013/2013_10_05_strassenhunde{/gallery}