13. März 2015: Zookritischer Vortrag von EndZOO

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Der Zoo – Arche Noah oder Gefängnis? – Ein zookritischer Vortrag von Frank Albrecht, EndZOO Deutschland e. V. am 13.03.2015

Rund 50 Interessierte haben am Freitagabend an unserem Vortragsabend zum Thema Zoo, einer Kooperationsveranstaltung von EndZOO Deutschland e. V. und Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V., teilgenommen.

Frank Albrecht, Tierrechtler und Zooexperte, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Haltung und Zucht von Wildtieren in Zoos. Im Laufe der Jahre hat er etliche Skandale von tierquälerischen Haltungen, dubiosem Tierhandel und weitere Missstände in deutschen und österreichischen Zoos aufgedeckt.

In über 100 Zoos hat er recherchiert sowie umfangreiche Dokumentationen u. a. zur Delfinhaltung im Tiergarten Nürnberg und zur Eisbärenhaltung in Deutschland erstellt. Mit seiner Arbeit hat er wichtige Beiträge zur öffentlichen Diskussion über die Institution Zoo geliefert.

Zoos nehmen für sich in Anspruch, wichtige Aufgaben zu erfüllen – Bildung, Artenschutz, Forschung und Erholung – und begründen damit die Gefangenschaftshaltung einer Vielzahl zumeist nicht heimischer Tiere. Aber erfüllen sie diese Aufgaben wirklich und ist diese Begründung ethisch vertretbar? Frank Albrecht verneint dies und bezeichnet Zoos als Mogelpackung.

Zu Beginn seines Vortrags warf er einen Blick in die Geschichte der Zoos. Die Tierschauen der Anfangszeit – manchmal in Kombination mit der Zurschaustellung von Menschen anderer Ethnien- widerspiegelten unverkennbar den dahinter stehenden Herrschafts- und Gefängnischarakter. Die Tier- Ausstellungen wandelten sich im Laufe der Zeit zu zoologischen Gärten, die den Besuchern bis heute die Illusion einer naturnahen Welt vermitteln sollen. Der Wandel des Erscheinungsbildes schlug sich auch in veränderten Bezeichnungen nieder: Aus „Insassen in Gefangenschaft“ wurden Tiere „in menschlicher Obhut“.

Doch längst nicht alle Umgestaltungsmaßnahmen orientier(t)en sich an den Bedürfnissen der Tiere, sondern oftmals und vorrangig an denen der Besucher. Frank Albrecht dokumentierte dies an historischen und aktuellen Aufnahmen von Tiergehegen.
Ein gutes Beispiel ist hierfür auch die „Delfinlagune“ im Tiergarten Nürnberg: Die großzügige Tribüne und die Pflanzinseln an den Außenbecken sowie die große Panoramascheibe im Blauen Salon sollen den Besuchern den Eindruck einer großen, naturnahen Anlage vermitteln. In Wirklichkeit stehen lediglich 6,4 % des Areals als Wasserfläche für Delfine und Seelöwen zur Verfügung und die Tiere müssen sich nach wie vor in völlig kahlen und anregungsarmen Betonbecken aufhalten.

Lediglich 50 Tierarten konnten nachweislich durch Zoos vor dem Aussterben gerettet werden, während täglich ca. 150 Tier- und Pflanzenarten aussterben.

Nur ein sehr kleiner Teil der in Zoos gehaltenen Tierarten gilt als bedroht. Stattdessen präsentieren Zoos lieber Tiere, die beim Publikum beliebt sind.

Auswilderungen finden selten und nur bei wenigen Tierarten statt. Längst nicht alle Auswilderungen sind erfolgreich, weil viele im Zoo nachgezüchteten Tiere genetisch weniger gesund, empfindlich und hinsichtlich ihres vorhandenen Verhaltensrepertoires für das Leben in der Natur nur bedingt tauglich sind.

Die Lebenserwartung von Nachzuchten ist oftmals geringer als die von Wildfängen. Wesentliche Gründe sind auch hier die schlechteren genetischen Anlagen (kleiner Zuchtstamm, Inzucht) sowie fehlende Lernerfahrungen der Mütter für die Jungtieraufzucht.Transparenz und Überprüfbarkeit der Zuchtpraxis ist oftmals nicht gegeben, weil viele Zuchtbücher von den Zoos nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.

Deutschland ist das Land mit der größten Zoodichte, die meisten Zoos sind öffentliche finanzierte Einrichtungen. Mit einigen beeindruckenden Beispielen verdeutlichte Frank Albrecht, welche hohen Summen in Zooanlagen investiert werden und wie viel mehr man mit diesen Summen für den Erhalt und den Schutz wildlebender Arten tun könnte.

Prominenter Gast des Abends war Colin Goldner, Mitbegründer des Great Ape Project und Autor des zookritischen Buches „Lebenslänglich hinter Gittern“, das sich mit der Haltung von Menschenaffen auseinandersetzt. Er wies darauf hin, dass viele exotische Tiere aus anderen Klimazonen sich nicht ganzjährig in den Außengehegen aufhalten können, sondern über Monate, teils sogar die längste Zeit des Jahres in den noch wesentlich engeren Innengehegen verbringen müssen. Konflikte zwischen den Tieren, noch größere Bewegungsarmut und Langeweile führen zu Aggressionen und depressivem Verhalten, das mit Psychopharmaka bekämpft wird. Das Gorilla-Haus im Tiergarten gehört zu den Negativbeispielen.

Auch die tierärztliche Versorgung und deren Kontrolle sieht C. Goldner kritisch. Nur wenige Zoos beschäftigen selbst Tierärzte, sodass die Behandlung der Zootiere, überwiegend Wildtiere, von niedergelassenen Tierärzten geleistet werden muss, die dafür nicht ausgebildet sind.

Den Forderungen von Frank Albrecht nach mehr Transparenz bei den Zoos durch Veröffentlichung von Bestandslisten und Zuchtbüchern sowie einer öffentlichen Förderung des Artenschutzes statt hoher Investitionen in Gefangenschaftshaltungen schließen wir uns an.

Vielen Dank an Frank Albrecht für diesen sehr interessanten Vortragsabend, von dem wir viele wichtige Informationen und Denkanstöße mitnehmen konnten. Fortsetzung ausdrücklich erwünscht!

Zur Stärkung gab es ein paar herzhafte und süße Häppchen – selbstverständlich ausschließlich vegan!

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