15. Juni 2013: Demonstration gegen die Delfinhaltung im Tiergarten Nbg.

2013 06 15 delfindemo nbg 100Am Samstagmittag versammelten sich rund 70 Menschen vor der Lorenzkirche, die unserem Aufruf zu einer Demonstration unter dem Motto

„Keine Delfinzucht im Tiergarten mehr – hohe Todesrate oder lebenslang Kreisverkehr!“

gefolgt waren.

 

Zu den Hintergründen:

 

Delfinarien stehen nach wie vor stark in der Kritik, weil sie keine auch nur annähernd artgerechten Lebensbedingungen für die Meeressäuger schaffen können. Daran hat auch die 2011 im Tiergarten Nürnberg eröffnete Außenanlage „DelfinLagune“ nichts geändert.

 

Diese Erkenntnis ist auch in der Politik angekommen: Erst vor kurzem, am 15. Mai, fand im Agrarausschuss des Bundestages eine Anhörung über den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen für ein Einfuhr- und Haltungsverbot von Delfinen in Deutschland statt. Leider wurde dieser Antrag von der Regierungskoalition aus CDU/CSU und FPD abgelehnt – so wie bereits etliche andere Vorhaben zur Verbesserung des Tierschutzes.

Neben der räumlichen Enge in den kleinen Betonbecken gehört die hohe Todesrate insbesondere bei Jungtieren zu den größten Problemen der Delfinhaltung. Dies wird nicht nur von den Kritikern der Delfinhaltung angeführt, sondern auch in den Jahrbüchern der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) bestätigt.

Beispiel Nürnberg (nach den uns vorliegenden Informationen):

Ø     In 40 Jahren Zucht gab es ca. 21 Geburten, von denen nur 5 Tiere überlebten. Eines davon starb bereits im Alter von 6 Jahren.

Ø     Alle Erstgeburten starben.

Ø     Die letzte erfolgreiche Nachzucht gelang 1998!

Auch bei den wegen der Bauarbeiten für die „DelfinLagune“ zu Zuchtzwecken ins niederländische Delfinarium Harderwijk ausgelagerten drei Nürnberger Delfinen sieht die Bilanz nicht besser aus: Nur zwei der fünf dort zwischen 2010 und 2012 geborenen Delfinkälber haben überlebt.

Um die Gründe für diese Sterblichkeit zu ermitteln, fordern wissenschaftlich arbeitende Tier- und Artenschutzorganisationen seit Jahren die Daten aus dem Europäischen Zucht- und Erhaltungsprogramm (EEP). Die Herausgabe dieser wichtigen Daten wird jedoch von den Zoos bis heute mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt, sie liegen daher auch bei der aktuell stattfindenden Überarbeitung des sog. „Säugetiergutachtens“ nicht vor. Die Praxis der Delfinzucht bleibt daher weiterhin intransparent! Auf diesen skandalösen Umstand wurden die Parlamentarier im Agrarausschuss von den beiden Gutachtern Karsten Brensing/WDC und Sandra Altherr/Pro Wildlife ausdrücklich hingewiesen!

 

Ein weiteres Problem stellt die Integration von Delfinbullen dar. Ältere und junge männliche Tiere lassen sich oftmals nicht dauerhaft vergesellschaften. Um gefährliche Rangordnungskämpfe zu verhindern, werden manche Bullen separiert und sind nur schwer an andere Einrichtungen vermittelbar. Beispielhaft dafür waren die beiden aus Soltau stammenden, seit 2008 in Nürnberg lebenden Delfine Arnie und Joker. Sie mussten seitdem strikt getrennt von den anderen Tieren gehalten werden mussten, weil nach Aussagen der Tiergartenleitung insbesondere der starke und dominante Joker bei gemeinsamer Haltung eine Gefahr für den alten Bullen Moby dargestellt hätte.

 

Am 13.06. gab der Tiergarten bekannt, dass Joker nach Harderwijk abgegeben wurde und der Tiergarten Nürnberg dafür zwei männliche Delfine aus Harderwijk aufgenommen hat. Dank dieses „Delfin-Karussells“ muss sich Moby nun zukünftig mit vier anderen Bullen ganz unterschiedlichen Alters auseinandersetzen oder die Tiere werden erneut nur getrennt gehalten.

Trotz all dieser offensichtlichen Probleme und Misserfolge sollen nach Aussagen der Tiergartenleitung die Zuchtbemühungen weitergeführt werden. Für die in Gefangenschaft geborenen Delfine bedeutet das, entweder einen frühen Tod zu erleiden oder ihr gesamtes Leben in kleinen Betonbecken fristen zu müssen.

 

Deshalb fordern wir: Die Delfinhaltung auslaufen lassen und die Zucht einstellen!

Mit eindrucksvollen Transparenten, einem mit 17 Delfinen bestückten Sarg stellvertretend für die toten Jungtiere, Holzkreuzen mit den Namen und Lebensdaten der in Nürnberg gestorbenen Meeressäuger, einer Bassin-Attrappe und über 1000 verteilten Flyern machten wir die Passanten auf die Probleme der Delfinhaltung aufmerksam und trugen unsere Forderung in die Öffentlichkeit.

 

Parallel zur Demonstration hatten Sea Shepherd und unser Verein Info-Stände aufgebaut, die von vielen Interessierten besucht wurden.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den engagierten Bürgern und Bürgerinnen aller Altersgruppen aus Nürnberg, Fürth, Erlangen und München sowie bei der Grünen Jugend Nürnberg, der Jugendorganisation von Greenpeace, der Deutschen Tierschutzjugend und der Tierrechtsinitiative Hassberge, die an unserer Demonstration teilgenommen haben. Dank unseres gemeinsamen Einsatzes erlebte Nürnberg wieder eine großartige Demo zugunsten von Tieren: den Delfinen im Zoo!

 

{gallery}galerie/2013/2013_06_15_delfindemo{/gallery}