15.-18. März 2013: Pressemitteilung zum EAAM-Symposium in Nürnberg

Viel Aufwand für keinen guten Zweck! – Kritische Anmerkungen von Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V. und PETA Deutschland e.V. zum EAAM Symposium 15.-18.03.2013 in Nürnberg

 

Nürnberg, 14.03.2013 An diesem Wochenende findet in Nürnberg eine wissenschaftliche Tagung der „European Association for Aquatic Mammals“ statt. Hauptthemen des Symposiums sind verschiedene Aspekte der Haltung von Polarbären und Delfinen, Gastgeber ist der Tiergarten Nürnberg.

 

Damit stehen zwei Wildtierarten im Focus, deren Haltung in Gefangenschaft mehrheitlich von Tier- und Artenschutzorganisationen besonders stark kritisiert wird. Die Probleme des Tiergartens Nürnberg sind beispielhaft und belegen die Unmöglichkeit, Tieren, die sich im Laufe der Evolution an das Leben in den Weiten der Arktis und der Meere angepasst haben, ein auch nur annähernd naturnahes Lebensumfeld zu schaffen.

 

Auf der Homepage des Tiergartens wird zum Bewegungsverhalten von Eisbären ausgeführt, dass sie täglich über 70 km weit laufen, Sprints von mehr als 40km/h schaffen, 65 km am Stück schwimmen, Gebiete von 10.000 bis 600.000 qkm durchstreifen und dabei jährlich mehrere Tausend km zurücklegen. Wer mit diesen Informationen vor Augen die als groß geltende Nürnberger Eisbärenanlage betrachtet, erkennt, dass der Gegensatz nicht größer sein könnte.

 

Stereotypes Verhalten bei über 90% der in Zoos gehaltenen Eisbären, hohe Jungtiersterblichkeit, Probleme bei der Jungenaufzucht, permanenter Stress für die einzelgängerisch lebenden Tiere durch die große Nähe zu Artgenossen und anderen Tieren sind die Folgen der vollkommen unzureichenden Lebensbedingungen. Die einstigen Medienstars und Kassenschlager „Flocke“ und „Knut“ (im Zoo Berlin), beides Handaufzuchten, die schon als Jungtiere ausgeprägte Verhaltensstörungen aufwiesen, sind traurige Beispiele dafür.

 

Ein weiteres Problem stellt die Unterbringung der Jungbären dar. „Flocke“ und „Rasputin“ wurden 2011 nach „Marineland“ in Antibes/Südfrankreich abgegeben. Dort leben sie nach Besucherberichten in einem sehr kleinen Gehege in naher Nachbarschaft zum Delfinarium, in dem Delfine und Orcas mehrmals täglich in Shows mit dröhnend lauter Musik vorgeführt werden. Für „Gregor“ und „Aleut“ wurde bisher kein Platz in einem anderen Zoo gefunden, trotzdem wird bereits wieder neuer Eisbärennachwuchs geplant. Tierbabys locken Besucher an, werden aber schnell wieder vergessen, sobald sie dem Kindchenschema entwachsen sind.

 

Ähnliche Probleme weist auch die Delfinhaltung auf. Delfine verfügen ebenfalls über ein ausgeprägtes Bewegungsverhalten, legen im Meer weite Strecken zurück und tauchen mehrere Hundert Meter tief. Dies ist in den engen Becken der Delfinarien unmöglich. Auch die in 2011 eröffnete Außenanlage „Delfinlagune“ hat daran nichts geändert.

 

 

In der Natur leben Delfine in komplexen, sich lebensgeschichtlich verändernden Gruppenzusammensetzungen und -größen. In Delfinarien dagegen müssen die Tiere in unnatürlichen, von Menschenhand zusammengestellten Gruppen zurechtkommen. Ein natürliches Sozialleben und die Vermittlung von Wissen unter den Tieren z.B. für die Jungenaufzucht kann somit nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden. Die hohe Jungstiersterblichkeit in Delfinarien ist wesentlich darauf zurückzuführen.

 

In Kombination mit der räumlichen Enge und den fehlenden Ausweichmöglichkeiten kommt es immer wieder zu aggressivem Verhalten zwischen den Meeressäugern, die zu Verletzungen bis hin zu tödlichen Auseinandersetzungen führen können. Unruhige oder sich aggressiv verhaltende Tiere werden mittels Psychopharmaka – in teils bedenklich hoher Dosierung – oder hormonell wirkender Medikamente wie Diazepam, Clinofem oder Megestat ruhig gestellt oder separiert. Dies geht eindeutig aus den Unterlagen des Tiergartens hervor und dürfte angesichts vergleichbarer Haltungsbedingungen in anderen Delfinarien keine Ausnahme sein.

 

Den Bürgern/innen wird die „Delfinlagune“ als „Leuchtturmprojekt“ des Tiergartens angepriesen und wahrscheinlich auch bei der Fachtagung als wegweisend gelobt. Dabei hat sich die „Delfinlagune“ längst zum „Stuttgart 21“ von Nürnberg entwickelt, zu einem Projekt, dessen Sinnhaftigkeit zu recht bezweifelt wird und dessen Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

 

Der von den Zoos oftmals betonte Forschungsaspekt bleibt hinsichtlich seines Erkenntniswertes für die wildlebenden Tiere fragwürdig. Viele Tiere leiden in Gefangenschaft an einer Verarmung ihres Verhaltensrepertoires und ihrer Sinneswahrnehmungen, sodass die an ihnen gewonnenen Forschungsergebnisse nur begrenzte Aussagekraft haben oder sogar zu falschen Ergebnissen führen können. Auf Grund ihrer geistigen, genetischen und körperlichen Verarmung können viele der in Gefangenschaft geborenen Tiere, wie z.B. Eisbären nicht ausgewildert werden. Etliche Forschungsvorhaben beschäftigen sich daher vorrangig mit den Haltungsbedingungen selbst. Doch ein Käfig bleibt ein Käfig, auch wenn er vergoldet wird.

 

Im Eingangsreferat des Symposiums wird die Frage nach den Herausforderungen und Möglichkeiten aufgeworfen. Mit ihren begrenzten Möglichkeiten können Zoos und Delfinarien jedoch weder eine Haltung von Eisbären und Delfinen gewährleisten, die den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird, noch können sie zum Schutz der natürlichen Populationen beitragen.

 

Wollte man einen wirklich konstruktiven Beitrag zum Arten- und Naturschutz leisten, würde man nicht Millionenbeträge in vollkommen unzureichende Anlagen investieren, sondern diese Gelder für den Schutz und die Erhaltung noch vorhandener Lebensräume sowie für umfassende Aufklärung über die Bedrohung von Umwelt und Wildtieren einsetzen – Herausforderungen, die wirklich sinnvoll und zukunftsweisend sind.

 

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Kontakt:

 

Cornelia Schamicke – Vorsitzende von Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.

 

Westtorgraben 19, 90429 Nürnberg
www.tierrechte-nuernberg.de

 

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Judith Stich – Medienkoordinatorin

 

PETA Deutschland e.V., Wissmannstr. 5, 12049 Berlin
www.peta.de/presse, www.facebook.com/petadeutschland
Eingetragen im Vereinsregister beim Amtsgericht Ludwigsburg, VR 2128.

 

Stoppt Tierquälerei