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» Pressemitteilung zu Kundgebungen gegen Wildtierhaltung in Zirkussen

krone elefant dressurKundgebungen gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen

am: 29.10. 2014 von 18.30 – 20.30 Uhr (Auftaktkundgebung)

wo: Eingang zum Festplatzgelände am Dutzendteich

Veranstalter: Menschen für Tierrechte Nürnberg e. V.

 

Anlässlich des 19-tägigen Gastspiels von Circus Krone in Nürnberg setzen wir uns mit Kundgebungen vor dem Festplatz am Dutzendteich und einer Demonstration in der Innenstadt am 08.11. für ein Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen ein.

 

In Zirkusvorstellungen wird den Besuchern, besonders den Kindern, die Illusion vermittelt, dass die von Musik und Applaus begleiteten Auftritte von Tieren auch ihnen selbst Spaß machen. Doch die Realität sieht anders aus.

 

Auch in Gefangenschaft geborene Wildtiere haben die artspezifischen Bedürfnisse ihrer wildlebenden Artgenossen und sind keine domestizierten Tiere. Im Zirkus leben sie dauerhaft hinter Gittern und in engen Käfigen oder Boxen. Auslauf gibt es nur in sehr beengten Gehegen oder gar nicht. Die Gehege werden hinsichtlich ihrer Größe und Struktur den natürlichen Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht. Lebenslang „reisen“ sie in äußerst engen Transportkäfigen von Ort zu Ort bei brütender Hitze und eisiger Kälte und müssen bis zu 60 jährliche Ortswechsel über sich ergehen lassen. Von Kindheit an werden sie zu unnatürlichen Dressurakten gezwungen. Viele Zirkustiere leiden daher unter akutem Bewegungsmangel, körperlichen Schäden und Verhaltensstörungen.

 

Obwohl die Mindestanforderungen für die Haltung von Tieren im Zirkus sogar deutlich unter denen für Zootiere liegen, werden selbst diese Standards oftmals nicht erfüllt. Aus der Antwort der Bundesregierung vom 29.09.2014 auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen geht hervor, dass im letzten ausgewerteten Jahr 2011 bei 895 amtstierärztlichen Kontrollen 409 Verstöße festgestellt wurden.

 

Viele Experten bezeichnen die Haltungsbedingungen von Wildtieren in Zirkussen als nicht artgerecht:

  • Das Jane Goodall Institute spricht sich gegen die Zurschaustellung von Affen für Unterhaltungszwecke aus.
  • Zahlreiche namhafte Elefantenexperten, die über jahrelange Erfahrungen mit wildlebenden  Elefanten verfügen wie z.B. Dr. Fred Kurt und Dr. Cynthia Moss, lehnen die Haltung und Dressur von Elefanten im Zirkus ab.
  • Auch der Präsident der Bundestierärztekammer Prof. Mantel bezog 2010 eindeutig Stellung: „Wildtiere sind im Zirkus heute nicht mehr akzeptabel, denn die Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Wildtieren haben sich stark erweitert. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel.“

Neben den nicht artgerechten Haltungsbedingungen muss auch die Dressur kritisch gesehen werden, die stets eine Unterwerfung der Tiere erfordert. Nicht selten werden zu diesem Zweck Gewalt, Futter- und Wasserentzug eingesetzt und Tiere bewusst durch Handaufzucht fehlgeprägt.
Dazu Dr. Moss: „Um das Verhalten eines Elefanten in der Beengtheit eines Zirkus zu kontrollieren, muss der Pfleger die Überhand gewinnen und behalten. Ein so großes Tier zu kontrollieren, kann nur durch eine gewisse Art der Grausamkeit erreicht werden. Hierfür wird häufig ein Elefantenstab – ein Elefantenhaken, der von den Mitarbeitern der Industrie auf euphemistische Weise ,Elefantenführer‘ genannt wird – eine Peitsche oder ein Elektroschocker verwendet.“

Im Mittelpunkt der Tiernummern steht nicht das Tier, sondern der Mensch als Herrscher über die „wilde Kreatur“ – ein Bild, das dem Tier- und Naturschutz vollkommen zuwiderläuft.

 

Schon oft stand auch Circus Krone wegen gravierender Missstände in der Tierhaltung im Fokus der Behörden. 2009 wurde das Unternehmen vom Amtsgericht Darmstadt rechtskräftig wegen der nicht art- und tiergerechten Elefanten- und Pferdehaltung verurteilt. Auch im Stammsitz München machten die Behörden mehrmals Auflagen wegen Mängeln in der Tierhaltung. 2012 starben die beiden Elefanten Colonel Joe und Sandrine kurz hintereinander. Obwohl sie seit Jahren krank waren, wurden sie weiterhin mit auf Tournee genommen.

Die Nachzucht von stark inzucht-gefährdeten weißen Tigern und Löwen, wie sie auch Raubkatzentrainer Martin Lacey betreibt, wird vom europäischen (EAZA) sowie vom US-amerikanischen (AZA) Zoo-Verband aus Arten- und Tierschutzgründen abgelehnt.

 

In 17 europäischen Ländern ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ganz oder für einige Arten verboten. Auch in Deutschland steht die Haltung von Wildtieren in Zirkussen seit Jahren in der Kritik:

  • 2003 und 2011 hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, zumindest ein Teilverbot für einige Tierarten zu erlassen.
  • In einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 sprechen sich 82% der Befragten für ein komplettes Verbot aus.
  • Am 21.10.2014 wandten sich 15 deutsche Tier- und Naturschutzverbände mit einer ausführlichen Stellungnahme an Bundesminister Schmidt und forderten ihn zur schnellen Umsetzung des Wildtierverbotes auf.

Es ist unverständlich, warum die Bundesregierung trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse, politischen Initiativen und der mehrheitlichen Ablehnung in der Bevölkerung ein Wildtierverbot für Zirkusse bisher abgelehnt hat.

 

Mit unseren Protestkundgebungen wollen wir diese Forderung unterstützen und unsere MitbürgerInnen über das Leid der Zirkustiere aufklären. Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit anzuerkennen, dass Tiere fühlende Wesen sind und keine Attraktionen, die unserer Unterhaltung dienen. Wir empfehlen statt dessen Zirkusse zu besuchen, die großes menschliches Können und ein gelungenes Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie bieten, das ohne Tiervorführungen auskommt, wie Cirque de Soleil, Flic Flac oder der Chinesischen Nationalzirkus.