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» Pressemitteilung zur Delfingeburt im Nürnberger Tiergarten

geboren leben lebenswertPressemitteilung

 Delfingeburt im Tiergarten Nürnberg: Kein Grund zur Freude

Nürnberg, den 02.11.2014. Trotz aller Erleichterung, dass nach Verlautbarung des Tiergartens die Geburt eines Delfinkalbs problemlos verlaufen sei und es der Delfinmutter und ihrem Kind gut gehe, ist die Geburt eines Meeressäugers in Gefangenschaft kein Grund zur Freude. Ob das Kalb eine dauerhafte Überlebenschance haben wird, ist derzeit noch ungewiss.

Auch eine erfolgreich verlaufende Aufzucht kann nicht zur Legitimation dieser umstrittenen Tierhaltung beitragen. Sie ändert nichts an der Unmöglichkeit, Delfine artgerecht zu halten. Eine Betonbeckenanlage wie die im Jahr 2011 eröffnete „Delfinlagune“ wird weder dem ausgeprägten Bewegungsverhalten der Tiere noch ihrem komplexen Sozialverhalten gerecht. Ein natürliches Sozialleben und die Vermittlung von Wissen unter den Tieren z. B. für die Jungenaufzucht können so kaum stattfinden.

Räumliche Enge und fehlende Ausweichmöglichkeiten führen immer wieder zu aggressivem Verhalten unter den Tieren und verhindern eine eigenständige Konfliktlösung. Wie aus den tiermedizinischen Unterlagen des Tiergartens ersichtlich ist, wurden in der Vergangenheit unruhige oder sich aggressiv verhaltende Tiere mittels Psychopharmaka oder hormonell wirkender Medikamente ruhig gestellt oder separiert.

Räumliche Enge herrscht auch weiterhin im Nürnberger Delfinarium: Nunmehr 10 Delfine und mehrere Seelöwen müssen sich in den Sommermonaten sechs kleine Außenbecken mit insgesamt 1.540 m² und drei Innenbecken mit 353 m² teilen. In den Wintermonaten reduziert sich dieses Platzangebot drastisch auf 828 m², da ab einer Außentemperatur von minus 5 Grad nur noch zwei überdachte Außenbecken nutzbar sind. Die kahlen, vollkommen reizarmen Betonbecken bieten den Tieren zudem keinerlei Anregung und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Tore zwischen den Becken und dem Außen- und Innenbereich sind häufig geschlossen, so dass den Delfinen oftmals lediglich einzelne Becken zur Verfügung stehen.

Mit jedem weiteren Tier verkleinert sich der Bewegungsraum und erhöht sich das Konfliktpotential. Häufiges Eingreifen und der Einsatz von Medikamenten zur Verhaltenssteuerung sind daher auch zukünftig vorprogrammiert.

Keine der im Nürnberger Delfinarium gehaltenen Delfinkühe verfügt über Erfahrungen mit der Jungtieraufzucht. Unerfahrenheit oder Fehlverhalten der Mütter im Umgang mit ihren neugeborenen Kälbern waren in der Vergangenheit u. a. wesentliche Ursachen für die hohe Jungtiersterblichkeit.

Die Aufzucht von Delfinkälbern kann in der Regel weiterhin nicht ohne massives menschliches Eingreifen bewältigt werden. Nicht umsonst wurde im Rundbecken des Innenbereiches eine über 200.000 € teure Hebebühne zur Erleichterung medizinischer Untersuchungen insbesondere trächtiger Delfine und scheuer Jungtiere eingebaut.

Dem kleinen Meeressäuger wird in Gefangenschaft eines verwehrt bleiben: Das Leben eines Delfins zu führen. Wir fordern weiterhin, dass Delfine nicht mehr in Gefangenschaft gehalten und gezüchtet werden dürfen.